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HeuteErinnerung schlägt Reichweite

Warum Social Media für Marken zum Risiko wird

Es beginnt oft harmlos. Eine kurze Pause in der Küche, die Bahn hat Verspätung, das Meeting startet in fünf Minuten. Kaum ist die Hand frei, liegt das Smartphone darin. Kein Signalton, keine Nachricht – trotzdem leuchtet das Display. Wir tippen, wischen, scrollen. Der Reflex hat längst den bewussten Entschluss ersetzt.

Das Merkwürdige daran: Viele dieser Sessions sind danach wie gelöscht. Wir wissen nicht mehr, was wir gesehen haben, und doch war eine halbe Stunde weg. Die Forschung erklärt dieses Phänomen mit dem Prinzip der variablen Belohnung. Unser Gehirn schüttet Dopamin nicht erst bei der eigentlichen Belohnung aus, sondern schon in der Erwartung. Jede neue Bewegung des Daumens könnte einen Treffer bringen – ein Like, ein Herz, ein witziges Video. Wie beim Spielautomaten bleibt die Spannung erhalten, auch wenn nichts Relevantes passiert.

Für das persönliche Zeitgefühl ist das ein kleiner Diebstahl. Für das Marketing jedoch ist es ein großer. Denn wo keine Erinnerung entsteht, verpuffen Botschaften.

Reichweite

Reichweite ohne Behalten ist wertlos

Ein Beispiel: Wer abends auf TikTok versinkt, kann sich am nächsten Morgen kaum an ein einziges Video erinnern. Die Inhalte rutschen durch, ohne Spuren zu hinterlassen. Genau das unterscheidet passive Nutzung von aktiver. Wer selbst postet, kommentiert oder gestaltet, verankert die Erfahrung tiefer. Wer nur scrollt, bleibt oberflächlich – und mit ihm die Markenbotschaft, die in diesem Strom mitschwimmt.

Noch deutlicher wird es beim sozialen Vergleich. Plattformen priorisieren Inhalte, die auffallen: perfekte Körper, beeindruckende Karrieren, makellose Küchen.

Für Nutzer bedeutet das permanente Aufwärtsvergleiche – und die lassen den eigenen Selbstwert sinken. Eine Werbebotschaft, die in diesem Umfeld auftaucht, hat schlechte Karten. Sie wirkt nicht als Einladung, sondern als weiterer Maßstab, an dem man sich messen muss. Im besten Fall bleibt sie unbemerkt, im schlechtesten verstärkt sie den Druck.

Manche Unternehmen hoffen, durch noch mehr Präsenz dagegen anzukommen.Doch die Mechanik ist stärker. Je lauter die Botschaft, desto schneller verschwindet sie im Rauschen. Es ist wie Schreien in einer Bahnhofshalle: Man wird kurz gehört, aber niemand erinnert sich an den Satz.

Ganz anders die Wirkung, wenn ein Medium aus dem Strom ausbricht. Stellen wir uns einen Geschäftsführer vor, der nach einem langen Arbeitstag den Stapel Post durchgeht. Zwischen Rechnungen und Formularen liegt ein Magazin – hochwertig, auf feinem Papier, mit klarer Bildsprache. Er blättert, bleibt hängen, liest.

Am nächsten Morgen liegt es noch immer auf dem Schreibtisch. Zwei Wochen später greift er erneut danach. Genau hier entsteht der Unterschied: eine Episode, die das Gedächtnis speichert.

Print zwingt zur Entschleunigung. Es gibt keinen endlosen Feed, keine Ablenkung durch das nächste Video. Die Aufmerksamkeit bleibt länger auf einem Punkt. Marken, die solche Formate nutzen, profitieren davon, dass Erinnerung wieder möglich wird.

Natürlich bedeutet das nicht, Social Media aufzugeben. Aber es verlangt eine andere Strategie. Anstatt den Nutzer im Passivmodus zu berieseln, sollten Marken aktivierende Formate schaffen. Kleine Aufgaben, Serien, Mitmachmomente. Alles, was den Übergang vom Konsum zum Tun ermöglicht. Nur dort entsteht Tiefe.Die eigentliche Währung im Marketing ist nicht die Reichweite, sondern die Verankerung im Kopf. Ein Mailing, das persönlich adressiert ist, bleibt greifbar. Ein Magazin, das eine Geschichte erzählt, bleibt im Regal. Ein Poster an der Wand begleitet über Monate. All das sind Anker, die Social Media in seiner heutigen Form kaum setzen kann.

Dass Menschen dieses Defizit spüren, zeigt sich in kleinen Ritualen. Manche stellen ihr Handy auf Grau, damit Farben weniger locken. Andere legen es bewusst in einen anderen Raum, um wieder konzentriert arbeiten zu können. Wer in einer Besprechung das Gerät auf den Tisch legt, wird schneller abgelenkt – auch ohne es anzufassen. Solche Beobachtungen sind nicht bloß Anekdoten, sondern Hinweise darauf, dass wir uns nach mehr Kontrolle sehnen.

Und auch Marken können davon lernen. Anstatt in immer kürzeren Abständen Posts zu jagen, lohnt es sich, den Rhythmus zu verlangsamen. Ein vierteljährliches Magazin, ein regelmäßiger Brief, ein gezieltes Geschenk. Rituale, die Erwartung aufbauen, anstatt Reize zu setzen.

Dass das funktioniert, ist keine nostalgische Verklärung.
Es ist Neurowissenschaft.

Reichweite 2

Erinnerung braucht Ankerpunkte, Wiederholung, ein Maß an Exklusivität

Genau das fehlt in Feeds, die alles gleichwertig nebeneinanderstellen. Vielleicht braucht es ein Augenzwinkern, um diesen Punkt klarzumachen: Wenn das Gehirn Social Media wirklich wie einen Spielautomaten behandelt, dann sollten Marken sich überlegen, ob sie das Kleingeld im Automaten lassen – oder ob sie lieber ein eigenes Haus bauen, in dem ihre Botschaft mehr ist als ein flüchtiger Reiz.

Der stille Fehler vieler Kampagnen liegt also nicht darin, dass sie niemand sieht. Sondern darin, dass sie niemand behält. Wer nur Reichweite einkauft, kauft Vergessen mit ein. Wer Formate schafft, die bleiben, investiert in das, was zählt: in Erinnerung.

Die Entscheidung liegt bei den Unternehmen. Sie können weiter
mit Likes und Views jonglieren – oder sie können ihren Kunden etwas geben, das nicht sofort verschwindet. Etwas, das man anfassen, aufbewahren, wieder hervorholen kann.

Denn am Ende ist es nicht die Bildschirmzeit, die entscheidet. Es ist die Frage, ob eine Marke es schafft, Teil einer Geschichte zu werden.

 

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